Oceana: Fischereisubventionen in Deutschland sind höher als der Wert der Anlandungen in Deutschen Häfen

Neuer Oceana-Bericht schätzt EU-Fischereisubventionen in 2009 auf € 3,3 Milliarden.


13 September 2011
Kopenhagen
Contact:

Signe H. Damkjaer ( sdamkjaer@oceana.org )





Oceana fordert den sofortigen Stopp aller Subventionen, die  Fischereikapazitäten erhöhen.

Oceana hat heute einen Bericht über die tatsächliche Höhe der Subventionen für den Fischereisektor veröffentlicht, die von der Europäischen Union (EU) und den Mitgliedsstaaten zur Verfügung gestellt werden. Der Bericht der internationalen Meeresschutzorganisation zeigt, dass die Subventionen mehr als dreimal so groß sind, wie die im Allgemeinen von der EU Kommission genannten Beträge, die nur Zahlungen des Europäischen Fischereifonds (EFF) berücksichtigen. Im Jahr 2009 beliefen sich die Subventionen, die für den Fischereisektor in der EU zur Verfügung gestellt wurden, auf insgesamt € 3,3 Milliarden. In 13 EU Ländern waren die verfügbaren Subventionen höher als der Wert der gesamten Fisch-Anlandungen.

Für den deutschen Fischereisektor standen 2009 1,5 mal mehr Subventionen zur Verfügung, als der Wert der Fisch Anlandungen ausgemacht hat, insgesamt annähernd € 150 Millionen. Fischereifirmen in Spanien, Frankreich, Dänemark, Großbritannien und Italien erhielten die meisten Subventionen in 2009.

“Ein großer Teil des europäischen Fischereisektors, der in vielen europäischen Ländern keine Gewinne erzielt, verdankt seine Existenz großzügigen Fischereisubvention“, sagt Anne Schroeer, Projektmanagerin des Ostseeprojekts von Oceana in Europa. “Die Zahlung hoher Subventionen, die von europäischen Steuerzahlern aufgebracht werden müssen, hat zu Überkapazitäten in der europäischen Flotte, zu Überfischung und zu einer eingeschränkter Wirtschaftsleistung im Fischereisektor geführt."

Obwohl Subventionen, die die Expansion der Fischereiflotte direkt unterstützen, z. B. für den Neubau, die Modernisierung und den Export von Fangschiffen nach den Regeln des europäischen Fischereifonds nicht mehr erlaubt sind, gibt es eine Reihe von Schlupflöchern und Ausnahmen im Gesetz. Zu den Subventionen, die erlaubt sind und die die Fischereikapazität erhöhen gehören Subventionen für Treibstoff, für den Ersatz von Motoren, für Marketing- und Werbekampagnen und für den Bau von Fischereihäfen und Kühlhallen.

Die Überfischung der europäischen Gewässer, die steigende Nachfrage nach Fisch in der EU und ein großer fischverarbeitender Sektor haben die starke Expansion der europäischen Fischereiflotte im Hinblick auf Größe und Reichweite gefördert und zusammen mit den Subventionen zur massiven Überkapazität beigetragen. Schätzungen der EU Kommission zufolge ist die Kapazität der europäischen Fischereiflotte  zwei- bis dreimal größer, als für den ökologisch nachhaltigen Fischfang notwendig wäre.  Die Fischereischiffe der EU Länder fischen weltweit im Atlantik, Pazifik und im indischen Ozean. Illegale, nicht gemeldete und nicht regulierte Fischerei ist ein weitverbreitetes Problem bei Schiffen unter Flaggen der europäischen Länder und Schiffen, die zu europäischen Firmen gehören aber unter fremden Flaggen fischen.

In diesem Jahr wird in Europa ein neues Gesetz zur gemeinsamen Fischereipolitik erarbeitet und im November soll ein Entwurf für ein neüs EU weites Gesetz zur Regulierung der Fischereisubvemtionen veröffentlicht werden.

“Alle kapazitätssteigernden Fischereisubventionen müssen gestoppt werden. Sie vergrößern die Überkapazität der Fischereiflotte sondern verschärfen auch das Problem der Überfischung, da sie helfen, das  Rennen um den letzten Fisch zu finanzieren“, fügt Maria Jose Cornax, Koordinatorin der Fischereikampagne von Oceana in Europa hinzu.  „Wir brauchen staatliche Finanzierung um die europäischen Meere zu schützen und zu regenerieren, für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten, die Verbesserung des Fischereimanagements und die Finanzierung von wissenschaftlicher Forschung.

Viele europäische Flotten können nur mit Hilfe von staatlichen Subventionen überleben. Eine kürzlich im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführte Analyse hat gezeigt, dass 30 bis 40 Prozent der europäischen Fischereiflotten jedes Jahr zwischen 2002 und 2008 Verluste erlitten haben. Erschreckenderweise sind umweltzerstörende Fischereimethoden wie Grundschleppnetzfischerei am höchsten subventioniert, da die Schiffe einen extrem hohen Treibstoffverbrauch haben.

Treibstoffsubventionen tragen durch direkte Kostenreduzierung von Fischereiaktivitäten nicht nur zur Überfischung bei, da sie es den Fischereischiffen ermöglichen, länger und ausgedehnter zu fischen, als dies normalerweise wirtschaftlich wäre. Oceana schätzt, dass im Jahr 2009 € 1,4 Milliarden Subventionen in Form von Steuererleichterungen in den Fischereisektor flossen. Im Jahr 2009 beliefen sich die Gesamtsubventionen des europäischen Fischereisektors auf 50 % des Wertes aller in der EU im gleichen Jahr angelandeten Fischfänge (€ 6,6 Milliarden).