DIE DERZEITIGEN BEWIRTSCHAFTUNGSMETHODEN IN DER OSTSEE UND IM KATTEGAT GEFÄHRDEN DIE LANGFRISTIGE NACHHALTIGKEIT DER FISCHEREI
Neuer Bericht deckt Probleme einer fehlgeleiteten Fischerei auf: Für 80 % der kommerziell genutzten Fischarten gibt es keine Bewirtschaftungspläne
12 April 2012
Madrid
Contact:
Marta Madina ( mmadina@oceana.org )
Oceana hat heute einen Bericht über den ernüchternden Zustand der Fischereibewirtschaftung in der Ostsee veröffentlicht. Der Bericht deckt eine Reihe von - legalen wie auch illegalen - nicht nachhaltigen Fischereipraktiken auf, die trotz der laufenden Bemühungen um eine florierende und nachhaltige Fischereibranche in der Region, weiterhin bestehen. Die internationale Meeresschutzorganisation stellt fest, dass viele der derzeitigen Maßnahmen nicht ausreichend sind, um den langfristigen Bestand des Sektors und die Lebensfähigkeit der Meeresumwelt sicherzustellen. Tatsächlich gibt es für 80 % der kommerziell genutzten Fischarten in der Ostsee und im Kattegat keinerlei Bewirtschaftungspläne.
„Es ist irrational, dass von über 50 Arten, die in der Ostsee und im Kattegat kommerziell gefischt werden, nur für 10 Arten eine wissenschaftliche Empfehlung vorliegt und von diesen nur fünf mithilfe zulässiger Gesamtfangmengen für eine Fischart (Total Allowable Catches, TAC) bewirtschaftet werden“, stellte Xavier Pastor, Geschäftsführer von Oceana Europe fest. „Wissenschaftliche Empfehlungen werden zudem beharrlich ignoriert. So wurden z. B. die zulässigen Gesamtfangmengen für Lachs, bei dem es sich um eine gefährdete und im Rückgang befindliche Art handelt, doppelt so hoch wie empfohlen festgelegt.“
Die Ostseeanrainerstaaten haben sich auf eine Reihe von Maßnahmen zur Wiederherstellung des Meereszustands verpflichtet. Hierzu gehört auch, bis 2015 für alle Fischbestände maximale nachhaltige Ertragsmengen (Maximum Sustainable Yields, MSY) durchzusetzen – d. h. die größte Fangmenge für eine Art, die über einen unbefristeten Zeitraum gefischt werden kann, ohne dass dadurch der Bestand reduziert wird. Eine weitere Verpflichtung verlangt, dass sie bis 2020 einen guten Umweltzustand (Good Environmental Status, GES) der Meeresumwelt erreichen.
„Mit den derzeit bestehenden Maßnahmen ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Ostseeanrainerstaaten innerhalb des vereinbarten Zeitplans diese ehrgeizigen Ziele erreichen werden“, sagte Meereswissenschaftlerin Hanna Paulomäki, Projektmanagerin für die Ostsee von Oceana. „Wir müssen zuerst den Zustand aller kommerziell genutzten Bestände kennen und für alle diese Arten eine Bewirtschaftung haben. Bei unzureichenden Informationen sollte mit der Anwendung des Vorsorgeansatzes ein auf dem Ökosystem basierendes Fischereimanagement vollständig umgesetzt werden.“
Neben vielen anderen Themen stellt die illegale, unregulierte und nicht registrierte (IUN) Fischerei, insbesondere beim Lachs- und Meeresforellenfang in der Ostsee und beim Kabeljaufang im Kattegat, noch immer ein Problem dar. Obwohl die IUN-Fischerei in der östlichen Ostsee aufgrund der verstärkten Überwachung, Kontrolle und Aufsicht in den letzten Jahren zurückgegangen ist, besteht das Problem weiterhin, und der Anteil der nicht registrierten Fänge ist in bestimmten Fischereien immer noch sehr hoch.
Oceana schlägt eine Reihe von Empfehlungen vor, um die Bewirtschaftung in der Ostsee zu verbessern. Hierzu gehören u. a.:
- Eine strengere Überwachung; Kontrolle und Aufsicht in allen Ostseeanrainerstaaten;
- Die Einbeziehung der Freizeitfischerei, die derzeit weitgehend nicht bewirtschaftet ist und bei den Quoten, Bewirtschaftungsplänen und den Berichtsanforderungen nicht berücksichtigt wird;
- Eine verbesserte Selektivität bei den Fanggeräten sowie die Einstellung destruktiver Fangpraktiken, wie z. B. die Grundschleppfischerei und die Ausbaggerung, um sowohl die verheerenden Auswirkungen auf dem Meeresboden als auch Beifänge und Rückwürfe zu verhindern;
- Strenge Bewirtschaftungsmaßnahmen der Fanggründe sowohl innerhalb als auch außerhalb der geschützten Meeresgebiete, um nicht nur die Fischbestände, sondern auch das gesamte Ökosystem der Ostsee, den Fischereisektor, die Fischereigemeinden und die Fischer zu schützen.
In diesem Sinne spielt die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik und ihre Anwendung auf die Ostsee bei der Festlegung der ökologischen Nachhaltigkeit als Hauptziel der EU-Fischereipolitik eine wichtige Rolle. Eine Nachhaltigkeit bei den sozialen und wirtschaftlichen Aspekten der Fischerei kann nur dann erzielt werden, wenn zuerst die ökologische Nachhaltigkeit erreicht wird.
Der Bericht wurde mit Spenden der Arcadia, Zennström Philanthropies sowie der Robertson Foundation finanziert.
Bericht: Fischereibewirtschaftung in der Ostsee (Englisch)



